Die Zahlen klingen nach Alarm: Milliarden Partikel aus einem Teebeutel, Millionen aus einer Plastikdose in der Mikrowelle, bis zu 50 Gramm im Jahr vom Schneidebrett. Daneben steht das Bundesinstitut für Risikobewertung und sagt, ein Gesundheitsrisiko sei nach heutigem Wissen unwahrscheinlich. Beides stimmt, und genau deshalb ist das Thema so schwer einzuordnen.
Dieser Text sortiert es. Zuerst geht es darum, was die Forschung über die Wirkung weiß. Danach kommen die acht Stellen in der Küche, an denen Forscher Plastik gemessen haben. Am Ende stehen die vier Handgriffe, die am meisten bringen, und eine Liste mit dem, was du dir sparen kannst. Wir verkaufen selbst Küchenware aus Titan und sagen das vorab. Der Text soll auch dann etwas taugen, wenn du nie etwas bei uns kaufst.
Ist Mikroplastik im Essen gefährlich?
Das weiß niemand sicher, und jede andere Aussage geht über die Daten hinaus. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) schreibt in seinen Fragen und Antworten vom Mai 2024: "Nach dem derzeitigen Stand des Wissens ist es unwahrscheinlich, dass von Plastikpartikeln in Lebensmitteln gesundheitliche Risiken für den Menschen ausgehen." Partikel über einem Millimeter werden wieder ausgeschieden, nur Teilchen unter 150 Mikrometern könnten überhaupt die Darmwand passieren, und auch davon nimmt der Körper sehr wenig auf. Im Juli 2025 hat das BfR nachgelegt: Es gebe keine belastbaren toxikologischen Hinweise auf Risiken durch Mikroplastik über Lebensmittel, und die Messmethoden der vieldiskutierten Gehirn-Studien seien umstritten.
Das oft zitierte Bild, jeder Mensch esse pro Woche eine Kreditkarte Plastik, also fünf Gramm, hält das BfR für um Größenordnungen überschätzt. Die WHO hat 2022 vorsichtiger formuliert: Die Datenlage reiche für eine Risikobewertung nicht aus. Eine umfassende EU-Bewertung ist in Arbeit.
Dann gibt es die andere Seite. 2024 veröffentlichten Marfella und Kollegen im New England Journal of Medicine eine Untersuchung an Patienten, denen Ablagerungen aus der Halsschlagader operativ entfernt worden waren. Bei 58% von ihnen fand sich in diesen Ablagerungen Polyethylen. Diese Patienten hatten in den folgenden rund drei Jahren ein 4,5-mal höheres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder Tod. Das ist ein Zusammenhang. Ob das Plastik die Ursache ist, kann die Studie nicht sagen, denn Menschen mit mehr Plastik in den Gefäßen leben womöglich auch sonst anders. Beiseitewischen sollte man den Befund deshalb nicht.
Unsere Haltung dazu: Dass Mikroplastik aus dem Essen schadet, ist unbewiesen. Für das Gegenteil gilt dasselbe. Du musst also nichts tun. Willst du die Menge dennoch senken, geht das an wenigen Stellen mit wenig Aufwand, und um diese Stellen geht es jetzt.
Wo entsteht Mikroplastik in der Küche?
Überall dort, wo Kunststoff auf Hitze, Reibung oder eine Klinge trifft. Die Forschung hat acht solcher Stellen einzeln vermessen, und die Ergebnisse liegen weit auseinander.
Das Kunststoff-Schneidebrett
Auf einem Brett aus Polyethylen oder Polypropylen löst jeder Schnitt 1 bis 15 Partikel. Das haben Yadav und Kollegen von der North Dakota State University 2023 gemessen, und die Forscher rechnen das auf 14 bis 79 Millionen Partikel pro Person und Jahr hoch, ein Gewicht von 7 bis 50 Gramm. Partikel unter 20 Mikrometern hat die Methode gar nicht erfasst. Dass die Teilchen im Essen ankommen, zeigte 2022 eine Gruppe um Habib an der UAE University: Mikroplastik direkt in Hähnchen und Fisch vom Plastikbrett, auf dem Bambusbrett der Kontrollgruppe nichts.
Zur selben Yadav-Studie gehört ein zweiter Befund, den wir nicht weglassen: Holzbretter gaben im Test 4- bis 22-mal mehr Partikel ab als Plastik. Das sind Holzfasern, also organisches Material, aber "partikelfrei" ist Holz damit auch nicht. Ohne jede Abgabe schneidet man nur auf Glas oder Metall. Wir bauen ein Brett aus reinem Titan; was es kann und wo es nervt (Geräusch, Messer), steht in unserem Ratgeber zum Titan-Schneidebrett.
Der Wasserkocher aus Kunststoff
Ein neuer Wasserkocher aus Polypropylen gibt am Anfang am meisten ab. Okoffo und Kollegen von der University of Queensland haben das 2026 untersucht (uns liegt nur die Zusammenfassung vor): Beim ersten Kochen setzen die Kocher sehr viele Nanopartikel frei, nach rund zehn Kochvorgängen deutlich weniger, nach etwa fünfzig nur noch sehr wenig. Hartes Wasser hilft sogar, weil die Kalkschicht den Kunststoff abdeckt. Die ersten Füllungen eines neuen Kunststoff-Kochers schüttest du also weg, oder du nimmst beim nächsten Kauf einen aus Glas oder Edelstahl.
Der Teebeutel aus Kunststoff
Viele der glänzenden Pyramidenbeutel bestehen aus Nylon, PET oder Polypropylen. Bei 95 Grad gibt so ein Beutel laut Hernandez und Kollegen von der McGill University (2019) rund 11,6 Milliarden Mikro- und 3,1 Milliarden Nanopartikel in eine Tasse ab. Die Zahl kommt aus Reinstwasser unter Laborbedingungen, und die Studienleiterin hat selbst vor Überreaktion gewarnt. Eine Folgestudie der Universität Barcelona bestätigte die hohe Abgabe bei Beuteln aus Polypropylen. Papierbeutel und loser Tee haben das Problem nicht.
Die Plastikdose in der Mikrowelle
Hier liegen die höchsten Werte pro Fläche. Hussain und Kollegen von der University of Nebraska haben 2023 Lebensmittelbehälter aus Kunststoff in der Mikrowelle erhitzt und bis zu 4,22 Millionen Mikro- und 2,11 Milliarden Nanopartikel pro Quadratzentimeter Behälterfläche gemessen. Auch im Kühlschrank gaben die Dosen Partikel ab, nur viel weniger. Der anschließende Zellversuch lief mit hohen Dosen und lässt sich nicht auf Menschen übertragen. Zum Aufwärmen füllst du in Glas oder Porzellan um; für die Lagerung kann die Dose bleiben.
Die Babyflasche aus Polypropylen
Bei Babyflaschen wirkt derselbe Mechanismus wie bei der Dose: heißes Wasser auf Polypropylen. Li und Kollegen vom Trinity College Dublin haben 2020 in Nature Food berechnet, dass bei der Zubereitung mit heißem Wasser bis zu 16,2 Millionen Partikel pro Liter gelöst werden; Sterilisieren und Hitze treiben die Abgabe nach oben. Es ist eine Modellrechnung ohne Gesundheitsdaten. Eltern, die trotzdem weniger wollen, bereiten die Milch in Glas zu und füllen sie abgekühlt um, oder sie nehmen Glasflaschen.
Das Wasser aus der Plastikflasche
Qian und Kollegen von der Columbia University fanden 2024 im Mittel rund 240.000 Partikel pro Liter Flaschenwasser, etwa 90% davon Nanoplastik. Getestet wurden nur drei amerikanische Marken. Leitungswasser schnitt in älteren Studien besser ab, aber die Methoden unterscheiden sich so stark, dass sich die Werte nicht nebeneinanderlegen lassen. Sicher gemessen ist also nur, was in der Flasche steckt. Leitungswasser ist die naheliegende Alternative, mit dem Hinweis, dass die Forschung hier noch keine saubere Vergleichszahl liefert.
Die zerkratzte beschichtete Pfanne
Ein einzelner Riss in einer PTFE-Beschichtung kann rund 9.100 Partikel freisetzen, das haben Luo und Kollegen von der Flinders University 2022 gezeigt. Gemessen hat die Gruppe die Freisetzung; was davon im Essen landet und was es dort tut, war nicht Teil der Studie. Die Verbraucherzentrale rät ohnehin, stark zerkratzte beschichtete Pfannen zu ersetzen. Bis dahin schont ein Wender aus Holz die Beschichtung. Eine Pfanne ohne Beschichtung, aus Edelstahl, Gusseisen oder Titan, hat das Problem von vornherein nicht. Unsere TitaniumPro hat eine unbeschichtete Kochfläche aus Titan. Sie verlangt beim Braten andere Regeln als Teflon und hat eigene Schwächen, beides steht im Ratgeber zur Titanpfanne.
Die Spülmaschine voller Plastikgeschirr
Okoffo fand 2025 heraus, dass ein Spülgang mit Plastikgeschirr rund 920.000 Mikro- und Nanopartikel freisetzt. Die Forscherin nennt die Menge im Vergleich zu anderen Quellen selbst gering, und die Partikel gehen mit dem Spülwasser in den Abfluss. Ein Grund, die Plastikdosen wegzuwerfen, ist das nicht.
Exkurs: schwarzes Plastik bei Pfannenwendern und Kochlöffeln
Hier geht es um etwas anderes als Mikroplastik, auch wenn beides in denselben Schlagzeilen steht. Liu und Kollegen fanden 2024 in schwarzen Kunststoffprodukten, darunter Pfannenwender, Flammschutzmittel aus recyceltem Elektronikschrott. Schwarzes Plastik entsteht oft aus alten Gehäusen von Fernsehern und Computern, und deren Zusätze wandern mit.
Zur Studie gehört eine Korrektur, die seltener erwähnt wird: In der Berechnung der Aufnahme fehlte eine Null. Nach der Korrektur liegt die geschätzte Menge deutlich unter dem amerikanischen Referenzwert. Flammschutzmittel gehören trotzdem nicht ans Essen, nur ist aus einem Alarm ein Hinweis geworden. Ein Wechsel zu Holz oder Metall schadet nicht, und ein Verbleib bei den schwarzen Wendern ist nach den korrigierten Zahlen ebenfalls vertretbar.
Was wirklich hilft: vier Handgriffe, nach Wirkung sortiert
Von den acht Stellen oben lohnen vier den Handgriff. Drei davon kosten nichts, der vierte je nach Material zwischen fünf und sechzig Euro.
- Nichts aus Plastik in der Mikrowelle erhitzen. Umfüllen in Glas oder Porzellan dauert zehn Sekunden und trifft die Stelle mit den höchsten Werten pro Fläche.
- Teebeutel aus Kunststoff weglassen. Papierbeutel oder loser Tee, fertig. Die 11,6 Milliarden Partikel pro Tasse aus der McGill-Messung sind damit weg, ohne einen Cent Mehrkosten.
- Leitungswasser statt Flaschenwasser. Die Flaschenwerte sind gemessen, für Leitungswasser gibt es nur ältere, nicht direkt vergleichbare Messungen, die besser aussahen. Für den Hahn spricht außerdem der Preis.
- Das Kunststoff-Schneidebrett ersetzen. Es ist die einzige Stelle, an der Plastik direkt im Essen nachgewiesen ist. Holz gibt kein Plastik ab, Glas und Metall geben gar nichts ab. Ein neues Brett kostet zwischen fünf und sechzig Euro.
Danach kommen die kleineren Dinge: Bei einem neuen Kunststoff-Wasserkocher die ersten Füllungen wegschütten, beim nächsten Kauf Glas oder Edelstahl wählen. Eine beschichtete Pfanne austauschen, sobald die Beschichtung Risse hat. Babynahrung in Glas zubereiten, wenn kleine Kinder im Haus sind.
Was du dir sparen kannst
Alles Plastik aus der Küche zu werfen. Der Vorratsbehälter im Kühlschrank gibt viel weniger ab als derselbe Behälter in der Mikrowelle, und ein unversehrter Kunststoffwender taucht in der Forschung gar nicht auf. Wegwerfen erzeugt neuen Müll und löst keines der Probleme von oben.
Die Sorge um Spültabs. Die Folie um viele Tabs besteht aus Polyvinylalkohol und löst sich in Wasser auf. Mikroplastik ist nach der Definition des BfR wasserunlöslich, die Folie zählt also nicht dazu.
Die Angst vor dem Küchenschwamm. Zu normalen Spülschwämmen gibt es keine belastbare Studie. Melaminschwämme reiben Fasern ab, die beim Ausspülen im Becken verschwinden.
Die Kreditkarte pro Woche. Die Zahl ist einprägsam und laut BfR um Größenordnungen zu hoch. Deine Küche hat vier Stellen, an denen sich mit einem Handgriff etwas ändert, und der Rest ist Hintergrundrauschen.

Laut, leicht, spülmaschinenfest
Das TitaniumPro-Schneidebrett gibt es in drei Größen ab 39,95 €, ein Messerschärfer liegt jeder Bestellung bei.
Zum TitaniumPro-SchneidebrettHäufige Fragen zu Mikroplastik in der Küche
Kann man Mikroplastik komplett vermeiden?
Nein. Es steckt in Luft, Staub und Wasser, und es gibt keine Küche ohne jede Faser. Vermeiden lassen sich die vier Stellen mit den hohen Werten: Plastik in der Mikrowelle, Kunststoff-Teebeutel, Flaschenwasser und das Kunststoff-Schneidebrett.
Welches Schneidebrett gibt kein Mikroplastik ab und ist spülmaschinenfest?
Glas und Metall. Holz gibt kein Plastik ab, darf aber nicht in die Spülmaschine. Beides zusammen bekommst du mit Glas, das schwer ist und zerbrechen kann, oder mit Metall wie Edelstahl oder Titan.
Gibt mein Wasserkocher Mikroplastik ab?
Nur wenn das Innere aus Kunststoff ist, und dann vor allem am Anfang. Nach etwa fünfzig Kochvorgängen ist die Abgabe laut der Queensland-Studie sehr gering, Kalk im Kocher senkt sie weiter. Bei Glas- und Edelstahlkochern stellt sich die Frage nicht.
Gibt eine Teflonpfanne Mikroplastik ab?
Eine intakte kaum, eine zerkratzte ja: Ein einzelner Riss kann laut der Flinders-Studie rund 9.100 Partikel lösen. Mit Rissen oder Abplatzern ist die Pfanne fällig für den Austausch.
Sind Kochlöffel aus schwarzem Plastik gefährlich?
Die Studie dazu fand Flammschutzmittel aus Elektronikschrott, musste aber ihre Rechnung korrigieren: Die geschätzte Aufnahme liegt deutlich unter dem amerikanischen Referenzwert. Ein Tausch gegen Holz oder Metall ist möglich, zwingend ist er nach den korrigierten Zahlen nicht.
Enthalten Spülmaschinentabs Mikroplastik?
Nach der BfR-Definition nicht, weil die Folie wasserlöslich ist. Offen bleibt nur, wie schnell sie in der Kläranlage zerfällt, und das betrifft die Umwelt, nicht dein Essen.
Quellen
- Bundesinstitut für Risikobewertung, Fragen und Antworten zu Mikroplastik (31. Mai 2024) und Stellungnahme vom 10. Juli 2025: Stand der Risikobewertung.
- WHO 2022: Datenlage zu Mikro- und Nanoplastik und menschlicher Gesundheit.
- Marfella et al. 2024, New England Journal of Medicine: Mikroplastik in Gefäßablagerungen der Halsschlagader und Herz-Kreislauf-Ereignisse.
- Yadav et al. 2023, Environmental Science and Technology: Mikroplastik-Freisetzung beim Schneiden auf Kunststoff- und Holzbrettern.
- Habib et al. 2022, UAE University: Mikroplastik in Hähnchen und Fisch nach Zubereitung auf Plastikbrettern.
- Okoffo et al. 2026, npj Emerging Contaminants: Nanopartikel aus Wasserkochern aus Polypropylen. Okoffo 2025, University of Queensland: Partikelfreisetzung beim Spülen von Plastikgeschirr.
- Li et al. 2020, Nature Food: Mikroplastik aus Babyflaschen aus Polypropylen.
- Hernandez et al. 2019, McGill University: Mikro- und Nanopartikel aus Kunststoff-Teebeuteln.
- Hussain et al. 2023, Environmental Science and Technology: Partikelfreisetzung aus Kunststoffbehältern in der Mikrowelle.
- Qian et al. 2024, PNAS: Nanoplastik in Flaschenwasser.
- Luo et al. 2022, Science of the Total Environment: Partikelfreisetzung aus beschädigten PTFE-Beschichtungen.
- Liu et al. 2024, Chemosphere: Flammschutzmittel in schwarzen Kunststoffprodukten, mit Korrektur der Dosisberechnung.
